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Ich muss den Titel wohl erklären. Unga ist eine Marke, die Ugalipulver, also Maispulver verkauft. Dies ist das Hauptnahrungsmittel aller Kenianer. Von 1976 bis 2000 stieg der Preis um 24 Shilling, sprich einen Shilling pro Jahr, von 16 auf 40. In den letzten 11 Jahren hat sich der Preis dann verdreifacht auf 120 Shilling. Die Unterschicht kann sich das nicht mehr leisten. Auch alle anderen Lebensmittel und vor allem Benzin sind in den letzten Monaten mindestens doppelt so teuer geworden, was selbst ich gemerkt habe. Am Dienstag, meinem letzten Tag in Kenia, war eine Demonstration gegen die hohen Lebensmittelkosten.

Die Demonstranten hatten folgende Rechnung. Die großen Hilfsorganisationen verkaufen Unga für 33 Shilling, der Staat soll 3 Shilling subventionieren. Damit bleiben 30 Shilling übrig, was ein sehr guter Preis wäre. Die Demonstranten zogen vor das Büro des Premierministers, der sich tatsächlich nach einigen Stunden zeigte und meinte, wenn Geld da ist, dann werden sie mal darüber nachdenken.

Am Tag davor hat Kenia 85 Millionen Shilling (700 000 Euro) für die japanischen Erdbebenopfer gespendet. Was soll das denn? In Kenia verhungern die Menschen und an eines der höchst entwickelten Länder  schickt Kenia Geld. Entweder es kommt nie an und landet in der Tasche einiger Politiker oder Japan baut demnächst eine Straße in Kenia……

 

 

Meine erste Woche in Deutschland ist rum, ich genieße das Essen und wundere mich über Probleme, die man in Deutschland hat. Solche Probleme hätte man in Kenia gerne.

Zusammenfassung

Von den ersten Gedanken bis zur Abreise

Wie ich auf den Gedanken gekommen bin, meinen Zivildienst nicht in Deutschland zu leisten, weiß ich auch nicht genau. Auf jeden Fall wollte ich nicht eines meiner, des Alters wegen, produktivsten Jahre für einen ganz normalen Zivildienst hergeben, ich wollte etwas „Anderes“ machen. Durch Internetrecherchen erfuhr ich dann, dass es die Möglichkeit gibt, im Ausland einen Ersatzdienst zu leisten. Dies klang durchaus attraktiv, denn ein Jahr im Ausland wird mir in meiner Entwicklung und Persönlichkeitsfindung bestimmt nicht schaden.

 

Es stellte sich schnell die Frage, welches das geeignetste Einsatzland ist. Ich schloss ein Engagement in Europa aus, denn das war mir nicht weit genug weg. Südamerika wurde von vielen ehemaligen Freiwilligen besonders gelobt, doch spreche ich weder Spanisch noch Portugiesisch, daher konzentrierte ich mich erst einmal auf andere Regionen. Auch Asien war wegen der Sprache kein Kandidat, Nordamerika und Australien sind zu hochentwickelt. Also blieb nur noch Afrika übrig, was nicht heißt, dass es eine Notlösung war. Vielmehr war Afrika von Anfang an mein Favorit. Schon seit meiner Kindheit faszinierte mich der schwarze Kontinent. Damals war es wohl eher noch Flora und Fauna, was mich faszinierte, doch mit dem Alter kam auch das Interesse für Politik und die Menschen.

 

Nachdem Afrika als Kontinent feststand, musste ich mich für ein Land entscheiden. Schlussendlich bevorzugte ich ein englischsprachiges Land gegenüber einem französischsprachigem. Mit diesen Voraussetzungen begann ich mit der Suche nach einer Entsendeorganisation. Zuerst wurde ich vorzeitig gemustert. Trotz „hässlicher, entenartiger Plattfüße“ wurde ich auf T1 gemustert, den Wehrdienst verweigerte ich noch im Kreiswehrersatzamt in Bamberg. Da ich nun offiziell Kriegsdienstverweigerer war, konnte ich mich bewerben. Ich schrieb unzählige Mails und Briefe, bekam viele Absagen und einige Einladungen zu Kennenlernseminaren. Ich war in Koblenz bei einem Seminar von Eirene. Es war ein sehr schönes Wochenende und ich konnte mich erstmals mit Gleichgesinnten austauschen. Wenige Wochen später wurde ich von Eirene zu einem Auswahlseminar ,wieder nach Koblenz, eingeladen. Ob es nun daran lag, dass ich Atheist bin, dass ich mit Krücken und daraus resultierend mit schlechter Laune kam oder woran auch immer, weiß ich nicht, auf jeden Fall wurde ich nicht genommen. Ich war sehr enttäuscht und erst einmal Ratlos. Als nächstes hatte mich der BDKJ Bayern zu einem Auswahlseminar eingeladen. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich wirklich nach München fahren sollte, denn es ist schließlich eine katholische Organisation und ich bin nun mal Atheist. Ich bin dann doch mit dem Zug nach München gefahren. Es war ein informativer Vormittag mit Gruppen- und Einzelgesprächen. In einem abschließenden Gespräch sagte mir der Verantwortliche vom BDKJ Bayern, dass er meine direkte und ehrliche fränkische Art mag und dass ich der einzige Bewerber bin, der weiß, dass er nicht die Welt retten kann. Ich sei sein Favorit. Am nächsten Tag haben sie mir ohne Nennung von Gründen abgesagt. Immerhin habe ich noch ein bisschen was von München gesehen. Nach meinen Erfahrungen in Kenia bin ich allerdings ganz froh, dass ich in keinem Projekt gelandet bin, das zu viel mit der Kirche zu tun hat, denn ich habe hier viele schlechte Erfahrungen gemacht.

 

Nach weiteren Absagen per Mail und Telefon hatte ich mich schon bei der Johannes Schule in Scheßlitz beworben, um dort einen normalen Zivildienst in einer guten Schule für behinderte Kinder zu leisten. Eines Tages bekam ich dann einen Anruf von Sobia e.V., der sehr lang dauerte und die Funktion eines Auswahlseminares hatte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon vergessen, dass ich mich dort überhaupt beworben hatte. Kurz darauf kam eine Mail, die besagte, dass ich angenommen bin. Ich wurde zu einem Vorbereitungsseminar nach Erfurt eingeladen, welches leider etwas unglücklich terminiert war, denn ich verpasste den ersten Tag, da ich an diesem Abend mein Abiturzeugnis bekam. Das Seminar war schön und informativ, ein paar Fallbeispiele weniger hätten aber auch gereicht. Ich muss zugeben, ich fühlte mich nicht wirklich vorbereitet. Mein Projekt sollte eine private Schule in Gilgil in Kenia sein.

 

Der nächste Schritt war Spenden zu sammeln. Da die Regierung das weltwärts Programm drastisch gekürzt hat, bekamen wir kaum finanzielle Unterstützung vom Staat. Man muss bedenken, dass Zivildienstleistende in Deutschland im Monat bis zu 600 € verdienen. Für meinen Dienst im Ausland bekam ich keinen Cent,  vielmehr musste ich alle aufkommenden Kosten durch Spenden aufbringen und den Flug selbst bezahlen. Außerdem dauert der Ersatzdienst zwei Monate länger. Ich sammelte also 3200 €. Es ist nicht einfach, Spenden für sich selbst zu sammeln, man hat irgendwie immer ein schlechtes Gefühl. Ich danke an diesem Punkt nochmal allen privaten und gewerblichen Spendern, sowie dem Lions Club. Das Sammeln zog sich leider recht lange hin, dazu kamen die medizinischen Vorbereitungen (unzählige Impfungen) sowie organisatorische Sachen. Am 15. Oktober 2010 hob mein Flieger vom Nürnberger Flughafen ab, begleitet von den Tränen meiner Schwester. Der Start in ein langes Abenteuer war geschafft.

 

 

Der zeitliche Ablauf

Am Flughafen in Nairobi holten mich Sven, Moritz und Sammy ab, um mir eine sinnlose Odyssee, wie sie Sven und Moritz durchlebten, zu ersparen. Sven und Moritz sind ebenfalls Freiwillige von Sobia, mittlerweile sind wir alle gute Freunde und haben viel zusammen gemacht. Sven arbeitete auch in Gilgil an Schulen, Moritz in einem Theater in Nakuru und später in einem Masai Witwen Projekt in der Nähe von Narok.  Die ersten drei Tage verbrachte ich in Svens Gastfamilie, denn meine Gastmutter kam nicht, um mich abzuholen. Svens Gastmutter Jane meinte, das liegt daran, dass sie Alkoholikerin ist. Was für ein toller Start. Die ersten Wochen fand ich sehr hart. Das Leben in Kenia kann man einfach nicht mit Europa vergleichen. Alles ist anders. Da ich auch irgendwie nichts zu tun hatte, bekam ich sehr schnell Heimweh. Ich vermisste meine Familie und Freunde, deutsche Standards und das tolle fränkische Essen. Ich gebe gerne zu, dass auch ein 20 jähriger, werdender Mann Tränen vergießen kann, wenn das Heimweh Überhand nimmt. Allerdings halte ich Heimweh für keine schlechte Sache. Es wäre ja traurig, wenn ich meine Heimat nicht vermissen würde.

 

Die ersten Tage in meiner Schule zeigten mir, hier werde ich nichts zu tun haben. Die Westway School ist eine top Privatschule, mit genügend Personal, gut ausgebildeten Lehrern und fast ausnahmslos reichen Kindern. Außerdem funktioniert Unterricht in Afrika ganz anders als bei uns. Kaum hatte ich mich ordentlich eingelebt, da waren auch schon Ferien. Den Kindern kann man das ja nicht verwehren, aber ich wusste erst einmal nicht, was ich jetzt machen sollte. Sven und ich machten eine lange Rucksackreise durch den Nordwesten Kenias, voller Abenteuer. Es war ein super Ausflug, um das Land und die Leute kennenzulernen. Wir waren an den entlegensten Orten, wo kleine Kinder ihre Wassereimer weggeworfen haben und um ihr Leben gerannt sind, als sie uns sahen, denn sie hatten noch nie Weiße gesehen.

 

Als die Schule Anfang Januar endlich wieder losging, habe ich mir ein neues Projekt gesucht. Ich bin einfach nach Gilgil gelaufen, habe an der erstbesten Schule geklopft und gesagt, ich würde gerne bei euch arbeiten. Gesagt, getan. Glücklicherweise gab es dort drei Sonderklassen für geistig behinderte Kinder, bei denen jede Hilfe gerne angenommen wurde. Im Januar war ich noch abwechselnd in der Westway School und in der Township School, aber schlussendlich war ich nur noch in meiner neuen Schule. Ich half bei allen Arbeiten, die anfielen. Außerdem trainierten wir drei tolle Monate lang für die Special Games, eine Art Paralympics. Meine Kinder haben sehr gut trainiert und gute Ergebnisse erzielt. Mitte April waren wieder Ferien, dies nutzte meine Familie um mich zu besuchen. Ich konnte ihnen endlich zeigen, wo ich das letzte halbe Jahr verbracht habe. Anfang Mai ging die Schule gleich wieder los, außerdem war Svens Einsatz beendet, Moritz folgte ihm drei Wochen danach. Es folgten nochmal drei produktive Wochen in der Special Unit bis auch mein Einsatz zu Ende war. Der Abschied von meiner Gastfamilie war weniger herzlich, der von den behinderten Kindern dafür umso mehr. Ich werde sie vermissen.

 

 

 

 

Westway School Gilgil

Mein eigentliches Projekt war die Westway School Gilgil. Meine Gastmutter ist die Managerin der Schule, welche sie mit eiserner Hand regiert. Ich gebe zu, es ist nicht ganz einfach, die ganzen Schulgebühren einzutreiben, trotzdem mochte ich die Art, wie sie mit den Kindern und den Lehrern umgegangen ist, nicht. Die Schule befindet sich in einem guten Zustand, sowohl die Gebäude als auch die Außenanlagen. Die Lehrer können alle einwandfrei Englisch und sind sehr gut ausgebildet. Allerdings weiß ich nicht, warum nur männliche Lehrer unterrichten. Die Grundschulklassen eins bis drei sowie die Kindergartenklassen werden hingegen von Lehrerinnen betreut. Außerdem kümmert sich eine Gruppe von fünf Arbeitern und Arbeiterinnen um die Außenanlagen, das Essen und die Internatsgebäude. Es werden an der Schule ca. 350 Kinder unterrichtet, die Hälfte davon leben in der Schule. Auch die Lehrer wohnen in der Schule. Unterricht wird an sechs Tagen pro Woche gehalten. Die Klassen sieben und acht haben ihre erste Stunde um 5 Uhr, die letzte endet um 20 Uhr.

 

Dies zeigt, wie effektiv so eine Schule arbeitet. Obwohl die Kinder talentiert sind und gute Lehrer haben, ist doch die Art zu unterrichten, sehr ineffektiv. Die Kinder lernen nicht wie man lernt, sondern es wird ihnen vielmehr durch unendliche Wiederholungen eingeflößt. In der Grundschule funktioniert das, doch für das Studium und die weiterführenden Schulen ist das sehr hinderlich. Nichtsdestotrotz erzielten die Schüler der Westway Schule sehr gute Ergebnisse in ihrer Abschlussarbeit. Ein Schüler erzielte das neunt beste Ergebnis des Bundeslandes (Province). In den ersten Wochen habe ich dem Unterricht beigesessen, um zu sehen, wie man in Kenia unterrichtet. Die Art und Weise hat mir nicht gefallen. Die Lehrer erklären den Kindern etwas, danach sagen sie den gleichen Satz noch einmal und lassen irgendwas weg, was die Kinder dann im Chor einsetzen müssen. Nahezu jeder hat dies in seine Sprechweise aufgenommen. Wenn man sich mit Erwachsenen unterhält, kommt es oft vor, dass sie einfach Wörter weglassen und dann erwarten, ich würde wie ein Schulkind ihren Satz beenden. Da kommt man sich total blöd vor. Kinder werden im Unterricht auch nie nach ihrer Meinung gefragt, im Allgemeinen lernen die Kinder nicht zu denken, sondern nur auswendig.

 

Kurz vor Jahresende (das Schuljahr endet Anfang Dezember und beginnt im Januar) durfte ich dann meine ersten Unterrichtsstunden halten. Meine erste Stunde war Mathematik. Ein Lehrer sagte, er muss kurz was erledigen, drückte mir das Buch in die Hand und meinte, Seite 48. Da stand ich also, 40 Kinder schauen mich an und warten, dass ich ihnen etwas beibringe. Es ging erstaunlich gut, dass ich Mathematik sehr mag und sie auch beherrsche, hat mir dabei bestimmt geholfen. Meinen Unterricht habe ich nicht wie die kenianischen Lehrer gehalten, sondern versucht die Kinder mit einzubeziehen. Das ging am Anfang gar nicht, aber die Schüler merkten schnell, dass man so viel mehr lernt und dass es auch etwas Spaß macht. Besonders toll fanden sie es, wenn sie an der Tafel etwas vorrechnen durften. Ich unterrichtete dann auch Englisch (ich hätte nie gedacht dass ich mal Englisch unterrichte) und Science. Allerdings fehlten mir da einige englische Fachwörter. Als ich mich einige Wochen lang eingearbeitet hatte, war das Schuljahr vorbei und die Examen wurden geschrieben. Als Ausländer durfte ich die Schule dann nicht mehr besuchen. Anfang Januar ging die Schule dann wieder los und ich hoffte, mindestens sechs Unterrichtsstunden pro Tag zu bekommen, schließlich war ich dort um zu arbeiten. Allerdings hatten wir einen neuen Direktor und der versicherte mir, er muss sich um gute Noten kümmern und er braucht mich nicht. Ich bekam sechs Stunden Deutschunterricht pro Woche und war sehr enttäuscht. Ich suchte mir schnell eine andere Schule. Anfangs unterrichtete ich in beiden Schulen parallel. Nach einem enttäuschenden Deutschtest sagte ich den Kindern und der Westway Schule Tschüss und arbeitet fortan nur noch in der neuen Schule.

 

Township School, Special Unit

Mein wirklicher Freiwilligendienst begann für mich erst als ich eines schönen Tages in die Township Schule gelaufen bin und gesagt habe, ich werde jetzt hier arbeiten. Die Township Schule ist eine öffentliche Schule mit mehr als 1000 Schülern. Es gibt Klassenstärken von 30 bis 70 Kindern. Pro Jahrgang gibt es meistens drei Klassen, nämlich Saturn, Mars und Jupiter. Dass dies Planeten sind und die Sonne umkreisen weiß natürlich keiner, weder Lehrer noch Schüler. Als ich einigen Lehrern erklären wollte, wie das im Weltall so aussieht, meinten sie schnell, ich erzähle doch Mist. Die Sonne dreht sich um die Erde. Die jeweiligen Kirchen hatten das so tief eingestampft, dass alle Erklärungsversuche sinnlos waren. Das besondere an der Township School ist die Special Unit, eine Abteilung für behinderte Kinder. Alle Kinder, ca. 60, sind geistig behindert, woraus sich auch körperliche Behinderungen ergeben. Je nach Alter und Können sind sie in drei Klassen aufgeteilt. Ich habe immer in der Klasse mit den ältesten und begabtesten Kindern gearbeitet, denn da konnte ich am meisten helfen. 34 Kinder wohnen in einem Gebäude auf dem Schulgelände.

 

Am Anfang habe ich die meiste Zeit in der dritten Klasse verbracht und ab und zu einer Lehrerin der normalen Schule beim Englischunterricht geholfen oder Aufsätze korrigiert. Allerdings konnte ich die Lehrerin überhaupt nicht leiden, denn Respekt und Aufmerksamkeit konnte sie sich nur mit dem Stab erschlagen. Außerdem hat sie mich andauernd korrigiert, auch wenn ich nahezu immer Recht hatte. Schlussendlich war ich dann täglich von 8 Uhr bis 16 Uhr in der dritten Klasse mit den ältesten behinderten Kindern. Dort habe ich einfach alles gemacht, was anfiel. Entweder ich habe beim normalen Unterricht geholfen, indem ich Mathe aufgaben korrigiert habe oder englische Sätze verbessert habe. Wenn ich Zeit hatte, konnte ich mich um einzelne schwere Fälle kümmern. Ich habe beim Handwerken geholfen, beim Ball aufpumpen, beim Schuhe binden usw. Ich habe die Tafeln neu gestrichen (Tafel heißt ein schwarzes Stück Wand), Stühle zusammengebaut, Hasenställe gebaut, Karottenfelder angelegt, Holz gehackt, Weißkohl geschnitten und eine Dining Hall gebaut. Eben einfach alles was in einem großen Haushalt so anfällt. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, die Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich auch ihnen. Meine Kollegen waren toll und ganz anders als die Lehrer der normalen Schule. Es wurde nie ein Kind geschlagen. Ich bin mit den Kindern auch zum Frisör und ins Krankenhaus gegangen.

 

Ein Großprojekt waren die Special Games, so etwas ähnliches wie Paralympics. Wir haben wochenlang zusammen trainiert. Früh am Morgen sind wir viele Runden um den Pausenhof gerannt (eine große Wiese), dann wurde Fußball oder Handball gespielt, außerdem Diskus geworfen und Kugel gestoßen. Die Kinder waren super drauf und dann ging es nach Nakuru zu den Special Games auf District Ebene (sowas wie Landkreis). Dort haben wir nahezu alles gewonnen. Eine Woche später waren die Games auf Provincial Eben (Bundesland). Auch dort haben wir gut abgeschnitten und viele Siege geholt. Bei diesem Event habe ich auch eine Nacht mit den Kindern in Nakuru verbracht. Das war eine verrückte Nacht. Sechs Kinder haben sich dann für die nationalen Wettkämpfe qualifiziert und sind nach Mombasa gefahren, wo unsere Province den Fußballcup gewonnen hat.

 

Ich war sehr traurig als ich die Kinder verlassen musste.

 

Kinderheim Saidia

 

An den Wochenenden und während der Ferien war ich unregelmäßig im Kinderheim Saidia (Helfen). Svens Gastmutter und Mama aller Freiwilligen ist dort die Managerin und sie ist wirklich eine großartige Frau. Sie kümmert sich um jedes Kind, als wäre es ihr eigenes. Neben dem Kinderheim leitet sie auch noch Essensprojekte und vermittelt Schulpatenschaften. Wer Interesse hat, meldet sich bitte bei mir. Mit wenig Geld kann man viel helfen und ich versichere, dass es direkt beim Kind ankommt. Alle Kinder im Kinderheim sind Waisenkinder und sind zwischen wenigen Monaten und 20 Jahre alt. Jeder hilft jedem und jeder hilft mit. Im Kinderheim war ich eigentlich nur, um mit den Kindern etwas zu spielen, sodass sie mal etwas Abwechslung hatten. Besonders wenn ich die ganz kleinen Babys gesehen habe, wurde ich immer traurig, denn die Vorstellung, dass sie nie mit ihren Eltern reden können, ist wirklich schlimm.

Sobia e.V.

 

Meine deutsche Organisation, die mir meinen Aufenthalt in Kenia geplant hat und als Vermittler zwischen dem Bundesamt für Zivildienst und mir unabdinglich ist, heißt Sobia. Ich hatte mich irgendwann beworben und nach einem langen Gespräch mit Heiner Häntze, dem Kopf der Organisation, wurde ich zu einem Kennenlern- und Vorbereitungsseminar nach Erfurt eingeladen. Es war ein schönes und informatives Wochenende, leider habe ich den ersten Tag wegen meinem Abiball verpasst. Zu hundert Prozent auf einen monatelangen Aufenthalt auf einem völlig fremden Kontinent vorbereitet fühlte ich mich aber nicht. Einen Sprachkurs habe ich auch vermisst.

Mit der kenianischen Partnerorganisation hatten wir wirklich Pech. Sie nutzte die Unerfahrenheit der jungen Organisation aus um Geld zu machen. Die Projekte waren bei allen Freiwilligen nicht wirklich gut ausgewählt, denn wir wurden eigentlich nicht gebraucht. Die Gastfamilien waren allerdings hervorragend (bei mir zumindest mein Zimmer und die Wohnung). Durch Svens schlechte Erfahrungen holte er mich direkt vom Flughafen ab, was mir viel Geld sparte, denn die kenianische Organisation sah einen längeren, aber sinnlosen, Aufenthalt in Nairobi vor, der nur dazu diente, der Schwester des Chefs ein wenig Geld zu besorgen. Die kenianische Organisation bezahlte unsere Gastfamilien und behielt als Bearbeitungsgebühr einen meiner Meinung nach viel zu großen Teil. Im Dezember kam dann gar kein Geld mehr an und die ganze Organisation schien wie vom Erdboden verschluckt. Ab dann übernahmen die Zivis die Bezahlung selbst, wobei das gesamte Geld bei den Familien landete. Wenn es Fragen gab, dann war der Heiner stets zu erreichen und antwortete schnell. Einzig bei der Visafrage konnte er uns nicht wirklich helfen, allerdings wussten weder die Beamten der deutschen Botschaft in Nairobi Bescheid, noch die Beamten der kenianischen Botschaft in Berlin, noch die Immigration Officer vor Ort. Durch die Zusammenarbeit mit der neuen kenianischen Partnerorganisation sehe ich gute Impulse, denn Moritz hatte in deren Projekt zu tun und ich denke, dass es ihm Spaß gemacht hat. Bei Sobia muss sich noch einiges verbessern, allerdings sind sie auf einem guten Weg. Die Arbeit im Internet mit Blog und Foren ist besonders hervorzuheben.

 

Meine Gastfamilie

 

Meine Gastfamilie bestand aus Anne, meiner Gastmutter und deren Tochter Catherine, die gerade von der Secondary School kam. Um es mal zusammenzufassen: Ich denke ich habe mehr mit unserer Haushilfe geredet als mit den beiden. Anne hat mich erst nach drei Tagen von Sven abgeholt, anscheinend weil sie andauernd betrunken war. Dann gab es die ersten zwei Monate nie etwas zu Essen im Haus, obwohl mein Vertrag mit ihr auch Essen enthält. Also musste ich mir selber was besorgen. Sie kam erst mitten in der Nacht nach Hause und am Morgen ging ich vor ihr, also haben wir uns nie gesehen. Als Managerin einer privaten Schule hat sie bestimmt viel zu tun, aber ich denke die Scheidung von ihrem Mann, der mit zwei weiteren Töchtern in den USA lebt, macht ihr noch zu schaffen. Als dann meine Gastschwester kam, erhoffte ich mir etwas Gesellschaft, allerdings saß diese nur vor dem Fernseher und zwar mit erstaunlicher Ausdauer. Weil die beiden absolut faul waren und wegen der Schule genügend Geld im Haus war, haben die beiden weder Wäsche noch Teller gewaschen und ein oder zweimal pro Woche kam eine Haushälterin, die zugleich Friseuse ist. Mit Purity habe ich mich ehrlich mehr unterhalten als mit den anderen beiden. Mit Svens Gastfamilie habe ich mich definitiv auch mehr unterhalten als mit meiner. Seitdem Sven weg war, habe ich sie fast täglich besucht, weil sie meinten, ich wäre zu einsam. An meinem letzten Samstag haben wir zusammen gegessen, zu meiner Familie habe ich bloß Tschüss gesagt.

 

 

Fazit

Ich werde es nie bereuen, meinen Zivildienst in Kenia abgeleistet zu haben. Ich habe viele Dinge über mich, über Afrika und Kenia gelernt, habe gute und schlechte Sachen gesehen und habe gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Es war etwas schade, dass mein Projekt nicht so zufriedenstellend, arbeitsintensiv und effektiv war, aber am Ende habe ich dann doch noch was sinnvolles gemacht. Ich hoffe und denke, dass Sobia aus unseren Erfahrungen gelernt hat und bin mir sicher, dass es neuen Freiwilligen einen Attraktiven Dienst bieten kann. Ich hoffe außerdem, dass Kenia die Korruption überwinden kann, um den Einwohnern ein besseres Leben zu ermöglichen.

 

Daheim

Nach zwei langen Flügen, etlichen Diskussionen an den Visa Schaltern und einer langen Reise bin ich schließlich sicher und glücklich zu Hause.

Der heutige Freitag war mein letzter Tag in der Township Schule. Schon bei der Parade am Morgen verabschiedete ich mich von der ganzen Schule, also auch von den normalen Kindern. In gebrochenem Suaheli sagte ich Tschüss und Danke, wofür ich Applaus bekam. Der Schultag war dann ganz normal. In meiner Klasse war heute Suaheli angesagt. Die Kinder machten ihre Arbeit, ich korrigierte sie und half ihnen. Zum Mittagessen gab es Reis und Bohnen und in der Mittagspause wurden einige Partien Dame gespielt. Als der Schultag zu Ende war, haben wir uns alle in der Dining Hall versammelt. Alle Lehrer haben kurz etwas gesagt, ein paar Kinder und natürlich auch ich. Es wurde ein bisschen gesungen und getanzt. Dann hatten die Lehrer und die Staff Mitglieder noch Geschenke für mich. Ich bekam einen großen Sonnenhut, einen Gürtel und einen Gehstock. Diese  drei Gegenstände sind die Zeichen eines Stammesältesten und zeigen Respekt und Anerkennung. Ich fühlte mich sehr geehrt. Ich habe mich von allen verabschiedet und war sehr traurig. Es war eine schöne Zeit mit ihnen und ich werde sie nie vergessen.

 

 

 

Der letzte Mohikaner

Ich melde mich endlich wieder. Ich war am Wochenende unterwegs, deswegen melde ich mich erst jetzt. Abgesehen davon habe ich keinen einzigen Kommentar auf meine Frage erhalten, was ich denn noch schreiben soll. Daraus folgere ich, dass ich euch schon mit allerlei Informationen überspült habe oder ihr einfach kommentarfaul seid. :)

Unser Plan war es, den Mt. Kenya noch zu sehen, denn den hatten wir noch nicht erblickt. Immerhin ist es der zweithöchste Berg Afrikas (5199 m), der höchste Kenias und Namensgeber von Kenia (Straußenfeder, wegen dem Schnee auf den Felsen, schwarz und weiß). Dafür wollten wir die Ring Road um den Berg befahren. Am Donnerstagmorgen machten Moritz und ich uns auf in Richtung Nyahururu. Bis dahin ging es sehr schnell, doch dann gingen die Probleme schon wieder los. Wir wollten ein Matatu nach Nanyuki und zwar eines das nur genau dorthin fährt ohne andauernd irgendwo zu halten. Die nennt man Shuttle, sie sind etwas teurer, aber sparen ewig Zeit und Nerven. Nachdem wir ein solches gefunden hatten und auch einen akzeptablen Preis (von 600 Kes(Kenia Shilling,derzeitiger Kurs: KES:€ 118:1 ) auf 350 Kes) bekamen, warteten wir erstmal zwei Stunden, dass das dämliche Gefährt losfuhr. Nach einer Stunde Fahrt kam uns die Richtung und auch die Straße etwas verdächtig vor, der Fahrer versicherte uns wir fahren direkt ohne Stopp nach Nanyuki. Als wir ca. 3 km vor Nyeri waren, eine weitere große Stadt an der Ring Road, die den Mt. Kenya umgibt, wurde es uns dann doch zu bunt und wir haben den Fahrer nochmals darauf angesprochen ob wir wirklich direkt nach Nanyuki fahren. Aber sicher, er muss nur tanken und die andere Straße ist unpassierbar. Als wir mitten in Nyeri an der 5. Tankstelle vorbeigefahren waren und in die Matatu Station fuhren, war uns klar, dass das keine Direktfahrt wird. Der Fahrer stieg aus und meinte, wir fahren in diesem Auto weiter. So ein Arsch. Moritz und ich haben ihn erst auf Deutsch beleidigt, dann auf Englisch und dann auf Swahili und Kikuyu und Masai, so laut, dass alle anderen Menschen auf dem Platz auch mitbekommen konnten, dass dieser Kerl ein Betrüger ist.

Irgendwann waren wir dann endlich in Nanyuki angekommen, dort haben wir was gefuttert und sind dann noch weiter nach Meru gefahren. In den kenianischen Städten gibt es einfach nichts zu sehen, daher der kurze Aufenthalt. In Meru haben wir dann übernachtet. Die Stadt ist voller Gemüse, Obst und Mira’a, denn an den regenreichen Hängen des Mt. Kenya, den wir umrundeten, wächst alles prima. Wir hatten die ganze Zeit super Blick auf den Berg, aber die Spitze haben wir kein einziges Mal gesehen, denn es war immer bewölkt. Ziemlich mies. Aber die Region war beeindruckend. Am Freitag ging es dann nach Thika. Es war eine spitzen Fahrt, denn die Region ist wirklich irre. Man fährt die ganze Zeit über kleine Hügel oder durch Täler an den Hängen des Mt. Kenyas und soweit das Auge sehen kann sieht man Bananen. Ganze Dörfer waren voller Bananen. Außerdem Tee und viel Kaffee, ein paar Ananasstauden, Mangobäume, Papaya usw. Da wächst einfach alles. Gegen Mittag waren wir in Thika. Auch dort gibt es nichts zu sehen, was einen Aufenthalt erfordern würde. Wir sind sofort weiter gen Osten gefahren, zu den 14 Falls.

Wie der Name schon sagt, fällt dort ein Fluss ein paar Meter in die Tiefe und je nach Wasserstand und Betrachterwinkel sieht man da 5 oder 14 oder 20 Wasserfälle. Sieht ganz hübsch aus, allerdings stinkt es schrecklich und das Wasser schäumt, denn unter anderem fließt vorher der Nairobi River in den Fluss. Der Nairobi River enthält mehr Müll und Chemikalien als Wasser. An den Wasserfällen sollten wir 4 Dollar Eintritt zahlen und 5 Dollar für die Camera. Dass war uns entscheidend zu viel, also haben wir verhandelt. 9 Dollar macht so ungefähr 730 Kes, wir haben am Ende jeder 250 bezahlt. Der dumme Tourist wird ausgenomen, aber das ist ganz gut so. Wir sind auch noch per Boot auf eine kleine Insel gefahren, von der aus man einen guten Blick hat, statt 300 haben wir da 50 bezahlt.

Sehr lustig dieses Verhandeln, vor allem wenn man es kann. Das ist eine Kunst für sich, die ich mittlerweile beherrsche. Man muss zum einen natürlich wissen, wie viel angebracht ist. Dann muss man von Anfang an seinen Zielpreis haben, auf den man zusteuert. Der Geschäftspartner startet natürlich viel zu hoch und erwartet dann eine Antwort. Ich sage ihm wie dumm er doch ist, für wie dumm er mich hält, bringe den Joker dass ich schon eine Ewigkeit in seinem Land bin und bringe dann mein Angebot, dass natürlich sehr niedrig ist. Er gibt darauf etwas nach, allerdings ist es immer noch zu viel. Also wird weiter diskutiert, man driftet ab zu völlig sinnlosen Themen wie mein Herkunftsland, das Wetter, der Präsident, Korruption oder die schlechten Straßen. Irgendwann wirft man dann seinen Zielpreis in den Raum und sagt, so viel oder nicht. Derjenige gegenüber kommt deinem Preis wieder etwas näher und dann kommt die interessante Stelle. Es handelt sich dann sowieso nur noch um Centbeträge und mit seinem Angebot könnte ich längst leben, aber ich will eben meinen Betrag. Also wird mit den höchsten Psychotricks gespielt. So tun, als würde man gehen oder sich nah einem anderen Matatu umsehen. Dein Gegner wird schauen ob du es auch wirklich durchziehst und wenn er denkt, du machst es, dann hast du gewonnen. Es gibt natürlich auch heroische Augenkontakt Duelle, bei denen der verliert, der zuerst wegschaut. Alles in allem macht es einach verdammt viel Spaß und wenn man seinen Betrag erreicht hat, dann ist man glücklich, wenn nicht, dann fühle ich mich meistens irgendwie mies. Fest steht aber, nach dem verhandeln haben sich alle wieder lieb.

So, nach meinem ungewollten Ausflug in die Theorie des Feilschens wieder zu meinem Reisebericht. Nach den Fällen ging es per Lift und Matatu nach Nairobi, wo wir spät ankamen und in einem Guesthouse schliefen. Davor gab es allerdings geile Pizza. Am nächsten Morgen haben wir beim Frühstück mit einem kenianischen Paar schon über den bevorstehenden Weltuntergang diskutiert, er blieb allerdings aus. Am Vormittag haben wir uns dann etwas Nairobi angeschaut, zum Beispiel das Grab Jomo Kenyattas, bei dem wir überlegten, was uns wohl erwarten würde, wenn wir das ewige Feuer auspusten würden. Dann ging es vorbei am Parlamentsgebäude, dem wichtigsten Haus Kenias. Ist das ein mikriges Ding, da lobe ich mir unseren Reichtstag. Das Büro des Vizekanzlers sieht übrigens aus wie ein DDR Plattenbau und dass das Kenyatta Conference Center noch steht, verwundert mich auch. Ein kurzer Besuch beim Souvenir Markt und ein ordentliches Mittagessen, dann wussten wir nicht mehr, was wir machen sollten. Es gibt einfach nicht viel zu sehen in Nairobi. Da kam uns die geniale Idee, doch mal ins Kino zu gehen. Also haben wir uns Fluch der Karibik 4 angeschaut, was unterhaltsam war. Ton und Bild waren mäßig, was die Verständlichkeit des Piraten Englisch nicht gerade einfacher machte. Dennoch habe ich das meiste verstanden. Heute waren wir dann noch im Nationalmuseum. Ob nun aus Langeweile oder ehrlichem Interesse, dass weiß ich auch nicht genau. Für ein Nationalmuseum ist es etwas klein, aber es war trotzdem ganz nett. Hauptthemen waren die Stämme, Umwelt und Tiere und die prähistorischen Ausgrabungen. Am späten Nachmittag kam ich dann wieder in Gilgil an. Moritz blieb in Nairobi, denn er fliegt heute Nacht nach Hause. Damit bin ich der letzte Mohikaner, aber ja nur für 10 Tage. Künsfeld ich komme!

Anregungen

In 17 Tagen stehe ich in Nürnberg am Flughafen, es bleibt also nicht mehr viel Zeit. Mir sind nun auch endgültig die Themen für meinen Blog ausgegangen. Was wollt ihr noch wissen, worüber soll ich noch schreiben? Ich hoffe auf viele Kommentare. Wie auch in der Schule gilt: Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten.

Heute war ich bei meinem Kollegen Patrick zum Essen eingeladen. Gegen 10 machte ich mich auf den Weg nach Mbaruk, was zwischen Nakuru und Gilgil liegt. Erst per Matatu, dann per Motorrad und schließlich zu Fuß erfragte ich mir den Weg. Patrick lebt in einem schönen Lehmhaus, mit einem großen Grundstück.
Gastfreundschaft ist den Afrikanern sehr wichtig und sie werden richtig böse wenn jemand einen Gastnicht ordentlich behandelt. Also gab es bei meiner Ankunft gleich eine Tasse Chai. Nach einer Führung durch das Dorf und Patricks Ländereien gab es ein tolles Mittagessen. Es kommt nicht oft vor, dass jemand einen Weißen als Gast hat, deshalb wird ordentlich aufgetischt. Genauso wie für Patrick ist es aber auch für mich eine Ehre nach Hause eingeladen zu werden. Zur Feier des Tages gab es Hühnchen, Reis und Chapatis und am Ende noch Früchte. Als kleines Dankeschön hatte ich die obligatorische Ananas dabei, eine Frucht die sich die meisten Kenianer nicht leisten können, weshalb Sven und ich bei Einladungen immer eine Ananas dabei hatten. Es gab so viel zu Essen dass ich fast geplatzt bin, aber ich durfte nicht eher aufhören bis nicht das ganze Hühnchen und sämtliche Chapatis aufgeputzt waren. Es war super lecker.

Nach dem anstrengenden Mahl haben Patrick, sein Sohn Collins und ich erst mal einen ordentlichen Mittagsschlaf gehalten um danach dann sämtliche Familienfotos zu bewundern. Gegen vier habe ich mich wieder auf den Heimweg gemacht. Ein sehr schöner Tag, denn solche Einladungen bergen immer Überraschungen.

Essensplan

Montag:

Ugali mit Cabbage (Weißkohl) und Fleischstückchen (Ziege)

Dienstag:

Ugali mit roten Bohnen oder Reis mit Kartoffeln und Bohnen

Mittwoch:

Ugali mit Sukuma Wiki (Möchtegernspinat)

Donnerstag:

Rote Bohnen mit Mais und Kartoffeln

Freitag:

Ugali mit Cabbage

 

Samstag:

Speien und Diarrhö

Nyama Choma

Zu jedem ordentlichen Wochenende gehört Nyama Choma. Auch wenn sich das die meisten Kenianer nicht leisten können. Die Rede ist von gegrilltem Fleisch. Man geht in eine der unzähligen Metzgereien und wählt ein Stück Fleisch vom Grill. Das wird dann auf einem großen Brett kleingeschnitten und jeder nimmt sich aus der Mitte das Fleisch. Dazu gibt es nur etwas Salz und Ugali. Meistens gibt es Ziege, aber auch Schaf oder Kuh. Die Art und Weise es zu essen, erinnert mich immer an Wikinger, aber mittlerweile mag ich es echt. Alle zwei Monate lade ich den Hausmeister und den Busfahrer meiner alten Schule zum Nyama Choma futtern ein. In diesem Sinne: Nyama Nyama Nyama

Da sitz ich nun im Finstern
den vierten Tag am Stück
das hab ich gar nicht gern
ich werd noch ganz verrückt.

Leider sind wir ganz allein
die Kerze und ich
es könnte schlimmer sein
sie schimmert so schön rötlich.

Sie spendet warmes Licht
und flackert wild umher
nur reden tut sie nicht
Gesellschaft fehlt mir sehr.

Die Zeit steht still
die Zeiger machen Pause
ich weiß genau was ich will
nach Hause.

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